Reinhold Schrappeneder, geboren 1949 in Wiener Neustadt, Studium der Germanistik und Anglistik an der Universität Wien, lebt in Wien.
Mitglied von GAV, Podium und Jura Soyfer-Gesellschaft. In den 90ern freier Mitarbeiter der Neuen Zürcher Zeitung und Vorstandsmitglied und stv. Vorsitzender der Österreichischen
Dramatikervereinigung (ÖDV).
Zahlreiche Veröffentlichungen, unter anderem im Suhrkamp Verlag, in der Neuen Zürcher Zeitung und im ORF. Das Hörspiel „Die Sonne über dem Wiental“ kam bei einer Wahl zum Ö1-Hörspiel des Jahres
unter die besten zehn.
Lesung beim Literaturfestival „Rund um die Burg“.
Mehrwöchiger Arbeitsaufenthalt im Schriftstellerhaus in Velika Polana, Slowenien, auf Einladung der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich und des Unabhängigen Literaturhauses
Niederösterreich.
Mitherausgeber von „Das Verbindende der Kulturen“, INST Verlag, Wien 2004, ausgezeichnet mit dem Bruno Kreisky-Anerkennungspreis für Verdienste um die Verständigung zwischen den Völkern und
Kulturen.
Plankton Erde
Wie Plankton im Meer
schwebt die Erde im All
Aber das Meer ist endlich –
küstenbegrenzt
Plankton Erde: dein Meer hat keinen Strand
Und doch –
bodenlos scheint dem Plankton das Meer
und strandlos
*
Sommerluft
Atme
Atme den Sommer ein
Atme den Tag
Atme den Wind
der die Gräser biegt
und atme die flirrende Luft
in den Städten
Atme
Atme den Sommer ein
Atme die Nacht
Atme den Hauch
der die Blätter wiegt
und atme den südlichen Duft
in den Straßen
Atme
Atme den Sommer ein
Atme den Tod
Atme den Sauerstoff
aus dem Schlauch
der neben dem Bett
aus der Wand ragt
und atme
rasselnd und schnappend
atme die letzte Luft
die zu atmen dir bleibt
und dann
Atme den Sommer aus
Atme
*
Abschiebungs-Rap
Marcus Omofuma gewidmet
Die Polizei sieht rot,
immer wenn sie schwarz sieht.
Sie hat ihre liebe Not,
mit dem Aufenthaltsverbot.
Denn sie vollzieht’s ja,
und jeder hört und sieht’s ja,
wenn im vollen Schubflugzeug
ein schwarzer Schübling tobt und schreit.
Doch für solche Fälle
hat man auf der Stelle
stets ein festes Klebeband
bei der Hand.
Wenn der Schwarze noch lang murrt,
wird er kräftig festgezurrt,
und der Mund wird ihm verklebt,
bis er manchmal nicht mehr lebt.
Ja, die Polizei sieht rot,
immer wenn sie schwarz sieht.
Sie hat ihre liebe Not –
doch der Schwarze: der ist tot.
*
U-Bahn-Gstanzln
Gute Gründe
Mit der U-Bauhn fori gern
von Heirign haam:
Do gibt’s kane Kiwara
und kane Baam.
Betriebsstörung
„Betriebsstörung!“ sogns –
und sie sogns ziemlich laud.
Dabei hod si scho wieda
ana vua d’ U-Bauhn ghaud.
Reinhold Schrappeneder: Ausgewählte Gedichte. Hgin: Erika Kronabitter.
Vorwort: Herbert Staud:, 64 Seiten, 1 Abb., Euro 6,-. Podium (Podium Porträt 130), Wien 2024. ISBN 978-3-902886-85-9